| |
Gedichte
Die Flöte
Laßt mich die Flöte sein, die von Fern herüberklingt,
aus Nacht und Dunst zum Feuerschein
einsam, hell und klar euch singt,
wie Traumesklang, Unwirklichkeit,
zu hören nur in Dunkelheit;
wenn Ihr lauscht, hört Ihr mein Lied,
das Euch schaudernd Sehnsucht gibt,
doch wenn Ihr forscht in Eisesnacht,
wer dort einsam spielt und wacht,
ob Mensch, ob Geist oder ob Traum,
verklingt der Ton, verfliegt wie Schaum.
Ich bin das Lied, das fern erklingt
und nachts Euch in die Seelen dringt.
Sonnenwendtag
Ich bin zurück, ehe die Sonne sich wendet,
vor der längsten Nacht, dem kürzesten Tag,
ehe das Jahr, das kommt, dieses beendet,
vor dem ersten Schnee, der früh kommen mag.
Um warm an den Feuern der Freundschaft zu sein
und satt von der Liebe aus silbernem Krug -
schließt die Welt hinter mir, den fernlockenden Schein,
von fernen Wegen und Orten habe ich nun genug.
Mit Worten nur webe ich Bilder vom Dort,
erzähle von Dingen, die ihn geseh'n,
von Schönheit, Fremdheit, manch ein Wort
von Sehnsuchtswinden, die kalt dort weh'n.
Noch sind die Meilen nebelgleich grau
und mehr Tage vor mir als ich zählen mag,
doch über das Land und die Wasser so rauh
komm' ich zurück vor dem Sonnenwendtag.
Der Drache
Zeit ist Staub im Flügelschlag,
zieht vorbei in Mond und Tag,
Jahr kommt, Jahr ist und wird Legende,
ich war zuerst, werd' sein am Ende.
Mein nur ist das Himmelszelt,
Stein und Feuer meine Welt,
weit klingt mein Ruf, wenn ich erwache,
äonenlang - ich bin der Drache.
Alles was war, ist nun mein Hort,
Gold und Gemme, Lied und Wort,
was einmal wird, ist nun schon mein,
wird bald Teil des Schatzes sein.
Mein Wort ist Macht, mein Leben Glut,
Wissen mein Lied, mein Feuer Wut,
Liebe, Freude, Haß und Rache
sind schreckengleich - ich bin der Drache.
Herbst
In den Niederungen haucht noch Reif
seinen Zauber silberweiß
über Blatt und Gras und Strauch,
ummantelt sie mit hellem Eis,
während oben auf den Höhen
die Sonne hat das Laub entflammt,
in allem Rot und allem Gold
setzt der Herbst die Welt in Brand.
|
|